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11 Piloten, 1 Rückholer mit Wohnmobil und Anhänger, 7 Segelflugzeuge und ein gemeinsames Ziel: Mit dem Segelflug quer durch Deutschland fliegen, ein "Wandersegelflug" wie es in der Fliegerei heißt.

So fing am Donnerstag das lange Fronleichnam-Wochenende 2015 an. Die Wettervorhersage war recht gut: Viel Sonne und hohe Luftdruckwerte, allerdings Blauthermik, was Streckenfliegerpiloten ungern mögen, da die Aufwinde nicht so erkennbar am Himmel sind wie bei Wolkenthermik. So sind die 7 Piloten vom LSR Aalen und die 4 von der Fliegergruppe Ellwangen gegen Mittag in die Lüfte gegangen.

Treffpunkt für die zwei Luftsportvereine war in der Luft, wo sonst. Etwas genauer gesagt, irgendwo Richtung Nordosten wo das schöne Wetter zu finden war. Zunächst ging es an der fränkischen Alb entlang, über die Oberpfalz und das Fichtelgebire bis Bayreuth, die erste Zwischenstation.



Der Naabtal-Duo – so wie er von den Wandersegelfliegerpiloten liebvoll getauft wurde – hat es nicht ganz bis Bayreuth geschafft, da es ab Regensburg ziemlich blau wurde und die Piloten Thomas Mannal und Tomas Aruani (das sogenannte Thomas-Duo) lieber einen schönen frischen Acker und eine gastfreundliche bayerische Familie bevorzugten. Dort verbrachten sie die Wartezeit bis Wolfgang Gmeiner mit seinem rückholbegeisterten Bruder Alis die jungen Piloten einsammelten. Die Außenlandung verlief nach langer Suche nach Thermik ohne Probleme: Position in 200 Metern, Fahrwerk ausgefahren und verriegelt, Platzrunde wie am Heimatplatz, Endanflug gegen den Wind und mit minimaler Fahrt auf dem Acker aufsetzen.

Die Wartezeit  war ein Erlebnis vom feinsten: Die bayerische Familie die neben dem Acker ein Haus bewohnt, hat die Piloten auf Ihrer Terrasse am Pool mit kaltem Bier, Pizza, und Kuchen versorgt, und alle haben gemeinsam den Geburtstag der Nachbarin gefeiert. Die Tochter hat sogar ihr Akkordeon ausgepackt und das Ganze mit Musik für die "neuen Freunde" aus Aalen untermalt.



Zwei Tage vor dem Wandersegelflug haben mir die erfahrenen Piloten Martin Mattner und Herbert Schwämmle gesagt, dass Außenlandungen vor 40 Jahren ganz spektakulär waren, weil die Leute aus der Umgebung auf einen zugingen und sogar etwas zum Trinken und Essen brachten. Ich glaube, dass unsere Außenlandung 40 Jahre später auf dem bayerischen Acker vielleicht genauso spektakulär und abenteuerlich wie damals war, sagt Tomas Aruani, der von seinem ersten Wandersegelflug noch immer begeistert ist. Nach einer guten Stunde Fahrt mit dem Anhänger von Bayreuth bis zum Acker hieß es Flieger abbauen, in den Anhänger rein und zurück nach Bayreuth.

Der erste Abend war sehr entspannt, bei gutem Essen und Getränken am Flugplatz Bayreuth haben sich die 11 Piloten und der Rückholer Alis bis spät abends gut unterhalten. Geschlafen hat man am Flugplatz in einer Hütte, die Gebrüder Gmeiner in der mobilen Gaststätte oder im "Café Gmeiner" und Tilus in seinem bequemen Zelt. 



Am nächsten Tag erlebt man, wie sich ein echtes Team bildet. Die einen holen Brötchen, die anderen kochen Kaffee, wieder andere decken den Tisch, der eine sucht nach dem Passwort fürs Internet, der andere kocht die Eier und recht schnell sitzen alle am Tisch, frühstücken zusammen, genießen das schöne Wetter und teilen Erfahrungen.

Nach Einschalten des Rechners geht es zum Wetterbriefing und zur Aufgabenplanung für den Tag. Entlang des Thüringer Waldes nach Nordwesten und danach zur Röhn bis zur Wasserkuppe, lautet die Strecke für den Freitag. Alle sind begeistert vom Ziel. Die Wasserkuppe ist der Flugplatz, wo alle Segelflieger mindestens einmal im Leben hinmüssen, die Wiege des Segelflugs und ein echtes Erlebnis. Die ganze Strecke bis zur Wasserkuppe war ein sehr schöner Teamflug. Alle 7 Flugzeuge sind die ganze Zeit gemeinsam geflogen und haben gut abgestimmt im Pulk gekurbelt, mit der Ausnahme unseres Flachkurblers Josef ;-). Zusammen ist das Team schnell über den Frankenwald und den Thüringer Wald bis zum Berg der Flieger in die Röhn gekommen.


Nach Ankommen auf der Wasserkuppe wurde die Gruppe mit einem Begrüßungsbier recht herzlich aufgenommen. Zum Sonnenuntergang ging es zu Fuß zum Fliegerdenkmal, um den Tag gemütlich ausklingen zu lassen. Der zweite Abend war ebenfalls so unterhaltsam wie der erste, geschlafen wurde dieses Mal im Hangar 7 mit dem Schlafsack auf den Feldbetten und improvisierten Matratzen aus Teppich und Sitzpolstern.

Am Samstagmorgen brauchte man keinen Wecker, da sich um 06:00 auf der Wasserkuppe ein Gewitter mit Donner ankündigte. Zum Glück hat der Regen nur wenige Minuten angedauert, es hat jedoch gereicht, um alle recht schnell aus dem Bett zu holen und wach für den anstehenden Tag zu machen.

Um 8:00 Uhr wurde ein leckeres Frühstücksbuffet in der Fliegerschule eingenommen. Die Wasserkuppe verfügt über sehr gute Einrichtungen für einen gemütlichen Aufenthalt. Um 9:00 Uhr beim Wetterbriefing fiel die Entscheidung eindeutig aus: Wir mussten noch am selben Tag zurück nach Aalen, weil die Wetterprognosen für den Sonntag Unwetter vorhersagten. Bis sich die ersten Wolken gebildet hatten, wurde die Zeit gut genutzt und das Segelflugmuseum besichtigt.

Gegen Mittag hat sich brauchbare Thermik entwickelt und die Gruppe konnte starten, um den Rückflug einzuleiten. Der Flugweg ging über die Rhön in den Spessart, über Main und Tauber ins Jagsttal. Vor Crailsheim ließ die Thermik wieder etwas nach, der Virngrund brachte allen jedoch wieder die nötigen Steigwerte um an die Heimatplätze Aalen und Ellwangen abzugleiten.

Insgesamt war der Wandersegelflug ein tolles Erlebnis, das insgesamt rund 100 Flugstunden, 5.000 KM Flugstrecke und viele gemeinsame Erfahrungen brachte.